Die Frage, die bewegt

Wie weiß ich, dass richtig ist, wovon ich ausgehe? Einfache Antwort: Gar nicht. Das ist so, weil es in einem komplexen System – und die Welt ist nun einmal komplex – keine linearen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt.

Bei einer Maschine ist das anderes, da gilt das Wenn-Dann-Prinzip. Bei allen lebendigen Systemen aber gilt das nicht. Die lassen sich überhaupt nicht definieren, allenfalls lassen sich die einzelnen Elemente beschreiben. Den folgen Satz musste ich mehrfach lesen, bis er Eingang in meine Gehirnwindungen gefunden hat:

Komplementäre Eigenschaften kommen einem Untersuchungsgegenstand zu und sind dadurch definiert, dass es beide braucht, um das Ganze zu verstehen, während zugleich nur eine von ihnen in einem ausgeführten Versuch festgestellt oder bestimmt werden kann.“

Doch eigentlich ist das vollkommen logisch. Will jemand meine Beziehung zu meiner Frau verstehen, kann er die Beziehung nicht messen, sondern nur mich beziehungsweise meine Frau. Dann kann er das Ganze verstehen, aber auch nur dann.

Eindeutige Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge gibt es nur in mechanistischen, nicht aber in komplexen Systemen. Doch das bedeutet nicht, dass solche Systeme unkalkulierbar wären – sie sind nicht berechenbar. 

Wir brauchen nur von Berechenbarkeit zu Kalkulierbarkeit umzuswitchen. Oder denken Sie, ein Schachmeister würde seine Züge berechnen? Kann er nicht, er kann nur mit Wahrscheinlichkeiten kalkulieren – und schauen, dass er nichts übersehen hat.

Vielleicht ist ja genau das die Attraktion, die Fußballspiele für so viele interessant macht – dass sie eben nicht berechenbar sind. Oder würden Sie sich ein Spiel anschauen, das berechenbar ist? Sicher nicht!