Explizite und implizite Denkform

Entscheidend ist die Form, nicht der Inhalt!

Es ist klar, dass ich sowohl über den Inhalt wie über die Form einer Sache reden kann, doch einen Inhalt kann ich nur der jeweiligen Form gemäß ändern. Will ich jedoch etwas gänzlich anderes, etwa ganz anders denken, dann muss ich nicht den Inhalt, sondern die Form ändern. Der „neue“ Inhalt folgt dann automatisch, er ergibt sich von alleine entsprechend der Form. Solche „Denkformen“ sind zum Beispiel konventionelles Denken wie mechanisches Denken oder mystisches wie quantenmechanisches Denken.

Wer in seinem Leben etwas anders machen möchte, der darf nicht versuchen, die Inhalte zu ändern, sondern der muss die Form ändern, also die Struktur wie die Organisation. Solange man nicht prozesshaft denkt, was etwas anderes ist, als (nur) in Prozessen zu denken, solange ist ein Entkommen aus der Konvention nicht möglich. Erkläre ich beispielsweise den nächsten Prozessschritt und es kommt dann die Frage, was da zu tun wäre, dann ist das eine dem mechanischen Denken entspringende Frage.

Aus quantenmechanische Denken kann eine solche Frage nicht kommen, denn der (Denk-) Prozess ist ja nicht im Vorhinein festgelegt. Das „Problem“ liegt in dem Verständnis von „Denken“. Normalerweise wird nicht zwischen Denken und Nachdenken unterschieden, obwohl das absolut nicht das Selbe und auch nicht das Gleiche ist.

So kann ich darüber nachdenken, wie ich mit dem Motorrad am besten um eine Kurve komme, doch machen kann ich das nicht indem ich nachdenke, sondern allein dadurch, dass ich es mache. Doch wenn ich etwas mache, ohne darüber nachzudenken, denke ich gleichwohl – nur ist mir das nicht bewusst. Erst im Nachhinein wird mir bewusst, was ich gemacht habe, jedoch nicht, was ich gedacht habe. Im Ch’an nennt man das Denken durch NichtDenken.

Gerne wird dann auch von implizitem und explizitem Wissen. Oder wie Daniel Kahneman von schnellem und langsamen Denken, wobei „schnelles Denken“ dem Denken durch NichtDenken wie implizitem Wissen, über das man kaum etwas sagen aber anwenden kann und „langsames Denken“ das Nachdenken wie expliziten Wissen entspricht, das man erklären aber nicht anwenden kann, vor allem dann nicht, wenn es „Ernst wird“. Nachzudenken wie explizites Wissen lohnt sich also nur im Hinblick auf die Strukturen, damit ich die letztlich einüben kann, so dass daraus implizites Wissen wird, das ich im Fall der Fälle auch wirklich anwenden kann.

David Bohm hat das übrigens für die gesamte Naturwissenschaften mit diesen Worten beschrieben: Sie können nur beschreiben, aber nichts definieren. Beschreibendes Denken = neues Denken, definierendes Denken = altes Denken. So einfach lässt sich das darstellen. Alles, was auf einer (vermeintlichen) Definition beruht, kann nur relativ wahr oder wirklich sein, nie abschließend, immer nur „vorläufig“. Auf viel mehr muss man zu Beginn eigentlich gar nicht achten. Weiß ich also den Inhalt meines Denkens, kenne ich auch die Form, also das mir eigene Welt- und Selbstbild.

Und da kann ich ansetzten und mich fragen, ob das überhaupt stimmt.