Komplexes versus kompliziertes Denken

Was hindert mich, komplex zu denken? Darüber habe ich lange nachgedacht. Das Erste, was mir einfiel war, dass alles, was mich ausmacht, irgendwie nicht definierbar ist:

Kreativität
Intelligenz
Achtsamkeit
Aufmerksamkeit
Konsequenz
Korrektheit
Emotionen
Ethik
Denken
Gesundheit
Bewusstheit

Genau das, was mich ausmacht. Natürlich nur idealerweise. Ich bin es beziehungsweise mache es – oder eben nicht. Aber was es genau ist – absolut keine Ahnung. Da kann ich nur drumherumreden. Die aktuelle Meldung, dass ein paar Gehirnzellen Pong spielen können – und das auch noch sehr gut – hat mich jedoch sehr nachdenklich gemacht.

Löse ich komplexe Fragestellungen nur deswegen nicht, weil ich kompliziert denke? Beispiel Ethik. Da brauche ich nur die goldene Regel „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“ zu beachten – und nichts kann mehr schief gehen. Sollte ich also bei komplexen Fragestellungen immer von einfachen Regeln ausgehen?

Vielleicht – oder sogar wahrscheinlich – ist es wesentlich einfacher, als ich denke. Nur ungewohnt. Und Ungewohntem gehe ich schnell aus dem Weg. Was jedoch ein Irrweg sein könnte. Oder ist. Komplex zu denken bedeutet, eine Menge Möglichkeiten (oder Mögliches) vor mir zu haben, ein Feld, in dem ich mich bewege, bevor ich mich entscheide.

Kompliziertheit bedeutet, es gibt nur eine richtige Lösung, die ich finden muss. Also suche ich etwas Konkretes, jedoch betrachte ich keine Wahrscheinlichkeiten. Das wiederum bedeutet, nicht dem Prinzip der freien Energie zu folgen – wie die Pong spielenden Gehirnzellen.

Das Prinzip der freien Energie besagt, dass alle Organismen, die überleben, der natürlichen Tendenz zur Unordnung und Auflösung widerstehen. Ein Weg, das zu gewährleisten, besteht ganz einfach darin, in einer Weise mit der Welt in Kontakt zu treten, dass eine innere Struktur aufrechterhalten werden kann.

Aus genau diesem einfachen Grund haben die Gehirnzellen wahrscheinlich Pong zu spielen gelernt. Und genau das ist vielleicht das perfekte Verhalten, um mit einem komplexen System klarzukommen: Ordnung schaffen, statt eine Ordnung anzunehmen und die zu erkennen zu suchen – was aber nicht gelingen kann, weil sie nicht existiert! Ein simples, aber effektives Lebensprinzip:

Ordnung schaffen, statt Ordnung zu suchen.